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Legenden » The Frankenstrat

Aus Wikipedia: Die Frankenstrat, auch bekannt als The Frankenstein, ist eine E-Gitarre, die Gitarrist Edward Van Halen sich um 1975 selbst baute. Der Name ist ein Kofferwort, bestehend aus Frankenstein, dem Schöpfer des fiktiven Monsters dessen Körper aus verschiedenen Körperteilen zusammengesetzt ist, und Stratocaster, einem E-Gitarren-Model, hergestellt von der Gitarrenmarke Fender. Eine Kopie der "Frankenstrat" kann im National Museum of American History in Washington, D.C. besichtigt werden.

Ausstattung
Die Frankenstrat stellt Van Halens Versuch dar, den Klang einer E-Gitarre der Marke Gibson mit den Vorzügen (Vibratosystem) einer Strat der Marke Fender zu kombinieren. Es handelte sich um einen Eschekorpus, dessen Tonabnehmerausfräsung von Van Halen erweitert wurde, um einen Gibson PAF Humbucker in der Steg-Position beherbergen zu können.[4] An den Korpus schraubte Van Halen einen Ahorn-Hals mit Ahorn-Griffbrett und Chromehardware. Über die Jahre entwickelte sich über verschiedene Neulackierungen die heutige Farbkombination aus roten, schwarzen und weißen Streifen. Es handelt sich bei späteren Versionen der Frankenstrat um eine Gitarre mit Floyd Rose-Vibratosystem.

Bestandteile der Frankenstrat

Korpus und Hals
Eddie Van Halen hatte den Korpus und den Ahornhals zum Preis von insgesamt 130 Dollar im Geschäft von Wayne Charvel und Lynn Ellsworth gekauft, die zu dieser Zeit als Ersatzteile gedachte, von Boogie hergestellte Korpora und Hälse verkauften. Der Korpus der späteren Frankenstrat wurde als second bezeichnet, da er kosmetisch nicht sehr ansprechend war. Er hatte sogar ein Astloch im Holz. Van Halen kaufte es dennoch heruntergesetzt für 50 Dollar, da er meinte, dass es keine klanglichen Beeinträchtigungen geben würde. Der Hals hatte Gibson-Jumbo-Bünde und der Halsspannstab ließ sich am Halsende verstellen. Der Hals kostete 80 Dollar.

Steg
Van Halen baute zunächst ein Fender Tremolo System ein, das er aus seiner '58 Fender Stratocaster ausgebaut hatte. Das Floyd Rose-System wurde später, vor Van Halens zweiter Tour im Jahre 1979 eingebaut, da die Gitarre aufgrund seines exzessiven Tremologebrauchs die Stimmung mit dem alten System nicht halten konnte. Es handelte sich um ein Prototyp des Floyd Rose, an dessen Weiterentwicklung Van Halen beteiligt war.

Tonabnehmer
Van Halen baute zunächst einen PAF-Humbucker (Patent Applied For) ein, den er aus seiner Gibson ES-335 ausgebaut hatte. Er tauchte den Tonabnehmer in Paraffinwachs, um die mikrofonische Rückkopplung zu reduzieren. Diese Methode wurde vor der Durchsetzung der maschinellen Wicklung von Tonabnehmern oft angewendet. Er schraubte den Tonabnehmer direkt in das Holz der Gitarre in die Stegposition. Um die unterschiedlichen Saitenabstände zwischen dem Tonabnehmer von Gibson und dem Steg von Fender zu kompensieren, schraubte er den Tonabnehmer leicht angewinkelt ein. Der Tonabnehmer wurde ebenfalls über die Jahre oft ausgetauscht.

Potis
Die erste, schwarz-weiße Version der Frankenstrat
Van Halen entfernte beide Tone-Potis und verkabelte den Tonabnehmer in einem einfachen Schaltschema, was größtenteils seinen beschränkten Kenntnissen der Elektrik zuzuschreiben war. Das Schaltschema bestand aus dem Humbucker, einem A500k Potentiometer (zur Kontrolle der Lautstärke) und einer "1/4-Inch"-Outputbuchse. Außerdem montierte er den Tone-Knopf auf den Volumepoti. Zunächst schnitt er das Pickguard aus einer Vinyl-Langspielplatte und montierte später ein Pickguard aus Plastik, das er ebenfalls selbst ausgeschnitten hatte. Das Pickguard hatte fünf Bohrlöcher zur Schraubbefestigung (eins davon bohrte Van Halen selbst), aber nur drei Schrauben wurden montiert. Auf ein doppelseitig klebendes Klebeband, das nahe dem Pickguard angebracht wurde, platzierte er einige Plektren.

Farbe und Lackierung
Van Halen lackierte die Gitarre zunächst schwarz. Nachdem die Farbe getrocknet war, klebte er Klebestreifen auf den Korpus und lackierte darüber mit weißer Farbe. Durch diese Vorgehensweise entstand die erste, "klassische" Version der Frankenstrat, die weiß mit schwarzen Streifen lackiert war. Die Gitarre ist in diesem Stadium auf dem Cover des ersten Van Halen-Albums abgebildet. Van Halen klebte ein Gibson Decal auf die Kopfplatte des Halses, um die Kreuzung von Gibson und Fender zu verdeutlichen. Als Gitarrenfirmen begannen Gitarren mit ähnlichen Lackierungen zu verkaufen, hörte Van Halen auf, die Gitarre in der Öffentlichkeit zu spielen. Stattdessen spielte er auf der Van Halen II-Tour (1979) die "Bumblebee"-Strat, die auf dem Cover von Van Halen II abgebildet ist. Van Halen war aber nicht mit dem Klang dieser Gitarre zufrieden und änderte während der Tour das Aussehen der Frankenstrat erneut. Dabei klebte Van Halen erneut Klebestreifen auf den Korpus und lackierte darüber dieses Mal mit roter Farbe. Er benutzte leuchtend rote Schwinn-Fahrradfarbe. Die entstandene Farbkombination aus Rot, Schwarz und Weiß wird auch oft als Symbol für die Band Van Halen benutzt.

Weitere Modifizierungen
Der Hals der Frankenstrat wurde über die Jahre mehrmals ausgetauscht. Der Steg entwickelte sich von einem '58 Fender Stratocaster Tremolo zu einem originalen Floyd Rose-Steg, wobei sowohl Modelle mit als auch ohne Feinstimmer zum Einsatz gekommen sind. Van Halen schraubte eine Vierteldollarmünze von 1971 unter den Steg, um das Floyd Rose eben halten zu können. Er brachte Reflektoren auf die Rückseite der Gitarre an, was für Amüsement und Lichteffekte sorgte. Van Halen brachte außerdem große Ösenhaken als sicherere Befestigung des Gitarrengurts an.
Während der späten 1970er und frühen 1980er Jahre versuchten viele Gitarrenhersteller mit der Herstellung von Frankenstrat-Kopien (sogenannter Superstrats) Van Halens Popularität auszunutzen. Um diese Hersteller irrezuführen, installierte Van Halen einen roten Single Coil in der Halsposition der rot-schwarz-weißen Frankenstrat, welcher aber nicht elektronisch verbunden wurde und somit keine weitere Funktion hatte. Um Imitatoren weiter zu verwirren, schraubte Van Halen einen Drei-Wege-Schalter in die leere Ausfräsung des mittleren Tonabnehmers in dem Korpus. Seine Funktion war, wie die des Halstonabnehmers, rein dekorativer Natur und sollte potenzielle Nachahmer verwirren.